In der laufenden Sommersession behandelt der Nationalrat das Freihandelsabkommen zwischen der EFTA und den Mercosur-Staaten. Die Schweizerische Vereinigung für einen starken Agrar- und Lebensmittelsektor (SALS) warnt vor einem zukünftigen Blindflug in der Handelspolitik. Das Mercosur Abkommen hat mit Konzessionen im Agrarbereich ausserhalb der WTO-Kontingente eine neue Qualität und schafft ein Präjudiz. Deshalb fordert SALS ein laufendes, wissenschaftlich fundiertes Nachhaltigkeitsmonitoring und behält sich vor, das Referendum zu unterstützen, sollten keine wirksamen Begleitmassnahmen beschlossen werden.
Die Schweiz verfolgt seit Jahren eine äusserst aktive Handelspolitik. Vier neue Freihandelsabkommen wurden 2024 abgeschlossen. Mit dem am 1. Juli 2025 unterzeichneten EFTA-Mercosur-Abkommen werden den Mercosur-Staaten Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay umfangreiche zollfreie Marktzugänge für landwirtschaftliche Produkte gewährt – von Rindfleisch über Speiseöle bis hin zu Rotwein. Diese Zugeständnisse kommen zusätzlich zu den bestehenden WTO-Kontingenten und setzen die Schweizer Produzentinnen und Produzenten unter Preisdruck.
Kumulierte Folgen: Transparenz fehlt
Bei der Aushandlung einzelner Abkommen wird dabei stets berücksichtigt, welche Zugeständnisse bereits früher gewährt wurden. Das Mercosur Abkommen schafft mit Konzessionen ausserhalb der WTO-Kontingente ein Präjudiz. Deshalb fehlt ein kontinuierliches, wissenschaftlich fundiertes Monitoring der Auswirkungen auf die Schweizer Land- und Ernährungswirtschaft. Die Politik soll keine so weitreichenden Entscheide, ohne systematisch zu verfolgen, wie sich die Summe der Konzessionen langfristig auf Produktion, Versorgungssicherheit und Nachhaltigkeit auswirken.
«Unsere Indikatoren ; Indicateurs- communs» als Antwort
Genau hier kann das Projekt «Unsere Indikatoren» einen wichtigen Beitrag leisten. Die SALS entwickelt es gemeinsam mit der IG Agrarstandort Schweiz (IGAS), inzwischen unterstützt durch das Bundesamt für Landwirtschaft. Das Projekt erarbeitet rund 20 wissenschaftlich fundierte Nachhaltigkeitsindikatoren, die ökologische, ökonomische und soziale Leistungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette messbar machen. Es schafft damit die methodische Grundlage, auf der ein laufendes Monitoring der handelspolitischen Auswirkungen aufgebaut werden könnte.
Begleitmassnahmen reichen nicht
Die vom Bundesrat vorgesehenen Begleitmassnahmen zur Aussenhandelspolitik – zinslose Darlehen im Umfang von 150 Millionen Franken, finanziert durch Mehrerträge aus der Versteigerung von Importkontingenten – vermögen die Ernsthaftigkeit der Lage nicht zu spiegeln. Sie sind kein Ersatz für einen strukturellen Schutz der inländischen Produktion und keine Antwort auf die systemischen Risiken, die durch eine kumulative Marktöffnung entstehen.
Die SALS fordert deshalb: Erstens ein laufendes, unabhängiges Monitoring der Auswirkungen der Handelspolitik auf die Schweizer Ernährungswirtschaft – gestützt auf das Indikatorensystem «Unsere Indikatoren – Indicateurs communs». Zweitens wirksame Begleitmassnahmen, die über kurzfristige Finanzhilfen hinausgehen. Drittens eine kohärente Politik, die Handelsöffnung und Nachhaltigkeitsziele nicht gegeneinander ausspielt.