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AKTUELL  |  24.11.2010

 

Negative Folgen für das Tierwohl bei einem Agrarfreihandelsabkommen mit der EU

Medienmitteilung

Eine kürzlich realisierte Umfrage des Schweizerischen Tierschutzes zeigt, dass der Schweizerische Tierhaltungsstandard bei Abschluss eines Agrarfreihandelsabkommens mit der EU gesenkt würde. Der wirtschaftliche Druck auf die Landwirtschaftsbetriebe würde derart zunehmen, dass die Tierhalter Zeit und Geld einsparen müssten. Dieser Druck würde auf Dauer zu Massentierhaltungen führen, wie dies bereits in unseren EU-Nachbarstaaten der Fall ist.

Vergleich Schweiz - EU
In der am 4. November 2010 vorgestellten Studie kommt der Schweizerische Tierschutz zum Schluss, dass die Nutztiere unseres Landes besser geschützt sind und bessere Haltungsbedingungen geniessen als ihre europäischen Artgenossen. Dabei wurden die Nutztierschutzgesetzgebung und der Tierhaltungsstandard von EU-Ländern mit der Schweiz verglichen. Während die Tierhaltung in der Schweiz detailliert geregelt ist, kennt die EU keine Gesetzgebung für Kühe, Mastvieh, Schafe, Ziegen und Pferde. Anderes konkretes Beispiel: Bei den Masthühnern beträgt die maximale Besatzdichte in der Schweiz 30 kg/m2, in der EU 42 kg/m2. In der EU sind künstliches Licht sowie Käfighaltung erlaubt. In der Schweiz hingegen sind mindestens 8 Stunden Tageslicht Pflicht und die Batteriehaltung ist verboten. Zu Recht wird in der Studie auch festgestellt, dass die Schweiz im Bereich der Freilandhaltung und der besonders tierfreundlichen Programme eine Führungsposition einnimmt.

Massentierhaltung oder Familienbetrieb?
Die Schweiz kennt eine bäuerlich geprägte Nutztierhaltung. Der ÖLN (ökologischer Leistungsnachweis) fordert eine ausgeglichene und an die Betriebsfläche angepasste Düngungsbilanz. Unsere Agrarpolitik fördert die Familienbetriebe. So halten denn die Schweizer Bäuerinnen und Bauern mässig grosse Tierbestände, d.h. im Schnitt 600 Stück Federvieh oder 170 Schweine pro Betrieb. Innerhalb der EU hat die Spezialisierung in der Tierhaltung in den letzten zehn Jahren stark zugenommen. Begünstigt durch die gemeinsame Agrarpolitik weist die Tierhaltung viel höhere Tierbestände auf. Statistiken zeigen, dass in Deutschland durchschnittlich 50'000 Masthühner oder über 300 Schweine pro Betrieb gehalten werden. Der Abschluss eines Agrarfreihandelsabkommens mit der EU wird die Tendenz zur Massentierhaltung stark fördern. Der wirtschaftliche Druck wird zur Aufgabe zahlreicher Familienbetriebe führen. An ihre Stelle werden Grossbetriebe treten.

Dogmatismus des Freihandels
Die Befürworter des Agrarfreihandelsabkommens, wie z.B. die IGAS, kümmern sich wenig um das Tierwohl. Ironischerweise glauben sie, dass sich dieses aufgrund der Konkurrenzsituation sogar verbessern könnte. Dies kommt einer völligen Missachtung der Tatsachen gleich. Im Fleischsektor hat der Kongress von Proviande vom 29. Oktober 2010 gezeigt, mit welchen Schwierigkeiten Unternehmen konfrontiert werden, welche den Export ausbauen möchten. Sogar Manfred Bötsch, Direktor des BLW, gibt zu, dass der „Einritt in neue Märkte nicht leicht ist“. Die Unternehmen des Fleischsektors, welche den Export ausbauen möchten, prangern die zu hohen Rohstoffpreise an. Das Agrarfreihandelsabkommen scheint Perspektiven zu eröffnen, vorausgesetzt, die Produzentenpreise sinken erneut. Für SALS-Schweiz, die für eine produzierende Landwirtschaft einsteht, ist eine solche Entwicklung unhaltbar.

Ein Agrarfreihandelsabkommen wird sich negativ auf das Wohl der Nutztiere, die Beziehung zwischen dem Tierhalter und seinen Tieren und den Wohlstand der Bäuerinnen und Bauern auswirken. Es wird eine industriellere Landwirtschaft fördern, was nicht dem Willen eines Grossteils der Konsumentinnen und Konsumenten und der Bevölkerung unseres Landes entspricht.

Auskünfte:
Walter Willener, Präsident SALS-Schweiz, Lausanne, 079 689 31 06
David Rüetschi, Generalsekretär SALS-Schweiz, Lausanne, 079 677 82 12

 


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